Düngebehörde

Aufbringung von Mikronährstoffen, Saatgutbeizen und Formulierungshilfsmitteln

Webcode: 01034319

Nach den Vorgaben der Düngeverordnung ist das Aufbringen von Düngemitteln mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff (>1,5 % Ges.-N in der TS) auf Ackerland nach der Ernte der letzten Hauptfrucht bis einschließlich zum 31.01. des Folgejahres nur zu bestimmten Fruchtarten bis zum 01.10. möglich. Viele Saatgutbeizen und Formulierungshilfsmittel haben einen wesentlichen Gehalt an Stickstoff. Wie ist bei der Applikation von Spurennährstoffdüngern, Saatgutbeizen und Formulierungshilfsmitteln innerhalb der Sperrfrist zu verfahren?  

 

Entsprechend § 6 (8) Düngeverordnung (DüV) dürfen Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff

  • auf Ackerland nach der Ernte der letzten Hauptfrucht bis zum Ablauf des 31. Januar,
  • auf Grünland, Dauergrünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau bei einer Aussaat bis zum 15. Mai in der Zeit vom 1. November bis zum Ablauf des 31. Januar

nicht ausgebracht werden. Davon abweichende Regelungen gelten nach § 6 (9) DüV lediglich für bestimmte Kulturen, Festmist von Huftieren oder Klauentieren sowie Komposte.

Ein wesentlicher Gehalt an Nährstoffen wird entsprechend § 2 Nr. 11 DüV wie folgt definiert:

Nährstoffgehalt in der Trockenmasse (TM) von mehr als 1,5 % Gesamtstickstoff oder 0,5 % Phosphat.

 

Einige als Beize oder Blattdünger verwendeten Spurennährstoffdüngemittel enthalten Stickstoff. Überschreitet der Stickstoffgehalt die Grenze für den wesentlichen Nährstoffgehalt von 1,5 % Gesamtstickstoff in der Trockenmasse, ist nach den Vorgaben der DüV ein Einsatz während der Sperrzeit nicht zulässig.

 

Davon abweichend gilt folgende Regelung:

Zur Vermeidung eines möglichen Spurennährstoffmangels bei Winterraps und Wintergetreide wird ein Aufbringen o. g. stickstoffhaltiger Spurennährstoffdünger im Rahmen der Saatgutbeizung bzw. Blattdüngung während der Sperrzeiten zugelassen, wenn der Stickstoff nicht aktiv appliziert wird bzw. nicht als eigene Verbindungsform vorliegt (wie z. B. bei der Zugabe von Aminosäuren oder N-Düngemitteln), sondern „passiv“ in den Spurennährstoffverbindungen enthalten ist.

„Passiv“ kommt Stickstoff immer dann in Ausgangsstoffen von Spurennährstoffdüngemitteln vor, wenn er Bestandteil einer chemischen Verbindung ist. Als Beispiele sind hier Mangannitrat, Borethanolamin bzw. alle chelatisierten Mikronährstoffe zu nennen. In derartigen Produkten ist der Stickstoff damit „unvermeidbarer“ Bestandteil eines Anwendungs-/Formulierungshilfsmittels.

Derartige Spurennährstoffdünger werden bei der Saatgutbeizung bzw. Blattdüngung in der Regel nur in sehr geringen Mengen eingesetzt. Mit den zugegebenen Mengen dieser Spurennährstoffdünger bzw. den üblichen Saatgut- und Blattdüngungsmengen pro Flächeneinheit ergibt sich je nach Produkt und Aufwandmenge eine Stickstoffzufuhr von 20 - 300 g/ha Stickstoff. Diese Menge ist im Vergleich zur N-Aufnahme der Winterungen marginal.

Daher wird die Applikation solcher Spurennährstoffdünger während der Sperrzeiten über die o. g. Spurennährstoffformen im Rahmen der Beizung bzw. der Mikronährstoffblattdüngung entsprechend den Vorgaben der guten fachlichen Praxis nicht als Zufuhr von Düngemitteln mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff gewertet.

 

Autoren: Tim Eiler, Jelko Djuren

Kontakte


Düngebehörde

0441 801-750

duengebehoerde~lwk-niedersachsen.de

Mehr zum Thema

Übersicht zu den geltenden Sperrfristen Herbst/Winter 2022/2023

Welche Sperrfrist ist wo einzuhalten? Durch die verschiedenen Regelungen in der Düngeverordnung (DüV) und der Landesdüngeverordnung (NDüngGewNPVO) ist es schwierig einen Überblick über die einzuhaltenden …

Mehr lesen...
Händische Ermittlung der Hangneigung im Gelände

Abstands- und Bewirtschaftungsvorgaben auf Flächen mit einer Hangneigung ≥ 5%: Möglichkeiten zur Ermittlung der Betroffenheit

Für an Gewässer angrenzende Flächen mit Hangneigung ≥ 5% gelten erweiterte Regelungen. Diese betreffen sowohl den einzuhaltenden Mindestabstand zu einem Gewässer sowie die Bewirtschaftung auf der Fläche, die an ein Gew&…

Mehr lesen...

Neues europäisches Düngemittelrecht tritt am 16.7.2022 in Kraft

Mit der neuen Düngeprodukteverordnung wird die bisherige Verordnung (EG) Nr. 2003/2003 abgelöst und bringt viele Änderungen für die Düngemittelhersteller und Anwender auf dem europäischen und deutschen Dü…

Mehr lesen...
Gewässerkundliche Messstelle

EU-Kommission bestätigt Entwurf der AVV Gebietsausweisung

Die EU-Kommission hat nach intensiven Gesprächsrunden einen entsprechenden Entwurf des Bundesministeriums für eine neugefasste AVV Gebietsausweisung bestätigt und zugleich eine sehr zügige Verabschiedung angemahnt. Ziel der …

Mehr lesen...
Gewässer mit Randstreifen

Gewässerrandstreifen: Regelungen nach DüV, WHG und NWG

Für die Bewirtschaftung von Flächen an Gewässern gibt es auf die Anwendung von Düngemitteln gerichtete Vorgaben, die sich aus den Rechtsbereichen der Düngeverordnung (DüV), des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) und des …

Mehr lesen...
Gewässerkundliche Messstelle

Rote Gebiete - Erfassung zusätzlicher Grundwassermessstellen

Mit der Novelle der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift Gebietsausweisung (AVV GeA) durch den Bund, ist das Verfahren zur Ausweisung der mit Nitrat belasteten Gebiete weiter vereinheitlicht worden. Für Niedersachsen bedeutet dies, dass deutlich…

Mehr lesen...