Düngebehörde

Sperrfristende unter erschwerten witterungsbedingten Gegebenheiten

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Witterungsereignisse stellen Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter im Hinblick auf das bevorstehende Ende der Sperrfrist vor Herausforderungen. Im nachstehenden Artikel informieren wir Sie über die rechtlichen Rahmenbedingungen.

 

Sperrfristende 01. Februar, rechtliche Hinweise zur N-Düngung

Am 01. Februar endet für alle Landwirte die allgemeine Sperrfrist für N-haltige Düngemittel, so dass bei günstigen Bodenverhältnissen ab diesem Datum Grünland, Ackergras, sowie Wintergetreide und Winterraps mit Stickstoff versorgt werden können. Grundsätzlich sollte der Ausbringzeitpunkt für die erste N-Gabe so gewählt werden, dass der Stickstoff zum Vegetationsstart zur Wirkung kommt. Dies gilt sowohl für mineralische als auch für organische Dünger. Daneben sind Aspekte der Befahrbarkeit und Bodenschonung zu berücksichtigen. Neben den fachlichen Gesichtspunkten sind aber auch rechtliche Vorschriften zu beachten, auch wenn auf einigen Höfen die Gülleläger gut gefüllt sind.

Bereits seit vielen Jahren sind in der Düngeverordnung Regeln zur Aufbringung von Düngern auf nicht aufnahmefähigen Böden enthalten. Grundsätzlich dürfen gem. § 5 Abs. 1 der Düngeverordnung stickstoff- und phosphathaltige Düngemittel, worunter neben Mineraldüngern auch u. a. Gülle, Jauche, Gärreste, Mist und Kompost fallen, nicht aufgebracht werden, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist. Die Regelung gilt für Grünland und Ackerland gleichermaßen und soll der Abschwemmungsgefahr bei nachfolgenden Niederschlägen oder einsetzendem Tauwetter vorbeugen.

 

Aufgrund von EU-Vorgaben im Vertragsverletzungsverfahren gilt, dass der Boden bei der Düngung völlig frostfrei sein muss.

Frost: Der Boden muss am Tag des Aufbringens völlig frostfrei sein. Wenn der Boden in beliebiger Tiefe Frost aufweist ist einen Düngung nicht erlaubt!
Frost: Der Boden muss am Tag des Aufbringens völlig frostfrei sein. Wenn der Boden in beliebiger Tiefe Frost aufweist ist eine Düngung nicht erlaubt!Jelko Djuren

Als gefroren gilt ein Boden, der an der Oberfläche oder in beliebiger Tiefe zum Zeitpunkt der Düngung Frost aufweist. Das bedeutet: Sobald die Bodenoberfläche gefroren ist, auch wenn sie um die Mittagsstunden wieder auftaut, darf nicht ausgebracht werden. Gleiches gilt, wenn die Oberfläche frostfrei, einige Zentimeter darunter aber noch Eis im Boden ist. Auch dann ist keine Düngung zulässig.

Die aus pflanzenbaulicher Sicht sinnvolle frühzeitige N-Düngung des Grünlandes wird also zumindest auf absoluten Grünlandstandorten zusätzlich erschwert.

Entscheidend ist damit allein der Bodenzustand zum Aufbringungszeitpunkt, nicht ein ggf. nachträgliches Auftauen. Auch ein nach dem Aufbringen einsetzender Frost ist unschädlich. Raureif auf der Grünlandnarbe stellt kein Problem dar, solange der Frost den Boden noch nicht erreicht hat, die Bodenoberfläche also noch frostfrei ist.

Das Düngungsverbot bei Frost bezieht sich auf alle N- und P-haltigen Düngemittel. Neben Gülle, Gärresten, Geflügelkot und Mineraldünger ist selbst eine Düngung mit strohreichen Festmisten bei geringstem Frost nun nicht mehr erlaubt. Ausnahmemöglichkeiten für Düngungsmaßnahmen auf Frost existieren im Düngerecht nicht.

 

Wassergesättigte Flächen

Wassergesättigte oder überschwemmte Böden: Düngung verboten
Wassergesättigte oder überschwemmte Böden: Düngung verbotenThomas Tretzka
Überschwemmte oder wassergesättigte Flächen dürfen nicht gedüngt werden. Eine Wassersättigung ist daran erkennbar, dass auf freier, ebener Fläche (nicht Fahrspuren) Wasserlachen sichtbar sind oder beim Formen des Bodens (außer Sand) Wasser austritt bzw. die Befahrbarkeit bei frostfreiem Boden nicht möglich ist. Das Ausbringverbot gilt auch für Flächen, bei denen Schmelzwasser aufgrund des im Untergrund vorhandenen Frostes nicht versickern kann. Dank Reifendruckregelanlagen und Verschlauchungstechnik können mittlerweile auch kaum tragfähige Böden befahren werden. Dennoch kann das technisch Mögliche nicht als Legitimation für eine verbotene Düngung dienen.

 

 

Schneebedeckte Flächen

Schneebedeckt - Düngung verboten sobald Bodenoberfläche wegen des Schnees nicht mehr zu erkennen ist.
Schneebedeckt - Düngung verboten sobald Bodenoberfläche wegen des Schnees nicht mehr zu erkennen ist.Jelko Djuren
Schneebedeckte Flächen dürfen nicht gedüngt werden. Da es in diesem Zusammenhang keine Höhenbeschränkung gibt, ist auch bei geringer Schneeauflage keinerlei Düngung mehr zulässig. Als Richtschnur für die Praxis kann gelten, dass eine Düngung verboten ist, sobald die Bodenoberfläche wegen des Schnees nicht mehr zu erkennen ist. Da eine Düngung auf schneebedeckten Flächen zu Unverständnis in der Bevölkerung führt und nicht geeignet ist, das Image der Landwirte zu verbessern, muss auch aus diesen Gründen darauf verzichtet werden. Pflanzenbaulich sinnvoll ist es so gut wie nie. Bei nur teilweiser Schneebedeckung eines Schlages (Nordhang, Waldschatten) sind diese Teilflächen bei der Aufbringung auszunehmen, der schneefreie Teil kann gedüngt werden.

 

Jeder Landwirt hat die Pflicht vor einer Aufbringung von Gülle und anderen stickstoffhaltigen Düngemitteln die Aufnahmefähigkeit des Bodens zu prüfen. Mit Hilfe eines Spatens kann der Bodenzustand recht einfach beurteilt werden. Im Zweifel und bei Grenzsituationen (Tagestemperaturen um 0° C) muss ggf. auf die Aufbringung verzichtet werden. Ein ausreichender Sicherheitsabstand gemäß Düngeverordnung zu Gewässern ist in jedem Fall einzuhalten. Bei einer Breitverteilung der Gülle beträgt dieser mindestens 5 Meter bis zur Böschungsoberkante. Werden bodennahe Ausbringtechniken (Schleppschlauch, Schleppschuh, Schlitztechniken) eingesetzt, muss ein 1 m breiter Streifen an der Böschungsoberkante völlig frei bleiben, denn auf diesem Streifen herrscht ein völliges Aufbringungsverbot. Zwar sind die in Grünlandregionen verbreiteten Entwässerungsgrüppen keine Gewässer in diesem Sinne, dennoch darf auch in die Grüppen keine Gülle gelangen, denn diese würde mit Niederschlägen in die Vorfluter abgeschwemmt werden.

 

Vorgehensweise bei erschöpfter Lagerkapazität zur Verhinderung von Havarien

Aufgrund der andauernden ausgiebigen Niederschläge im Spätsommer und Herbst 2023 bestand regional die Problematik, dass auf einigen Standorten geplante Düngungsmaßnahmen nicht mehr erfolgen konnten. Erschwerend wirkt sich zusätzlich auch die derzeitige Witterungslage dahingehend aus, dass an vielen Standorten ab dem 01.02. aufgrund der aktuellen Niederschläge oder Überschwemmungsereignisse (gesättigte oder überschwemmte Böden) eine Düngung nach Düngeverordnung nicht zulässig ist. Diese Ereignisse bringen mancherorts die Lagerstätten für Wirtschaftsdünger an die Kapazitätsgrenzen, sodass in Einzelfällen eine Havarie droht. Für derartige Notfälle gilt die nachstehende Notfallregelung.

Wichtig ist zunächst die nachweisbare Prüfung aller möglichen Alternativen, wie z.B. die Lagerung in benachbarten Betrieben mit Aufnahmekapazitäten oder beispielsweise einer Biogasanlage. Dies ist das zu favorisierende Vorgehen, auch wenn es zunehmend schwieriger werden dürfte, entsprechende freie Kapazitäten ausfindig zu machen. Kann ein Betrieb absehen, dass der Lagerraum knapp wird und eine Havarie droht, hat er sich umgehend an die für ihn zuständige untere Wasserbehörde zu wenden. Im Einzelfall sind die entsprechenden Möglichkeiten, unter enger Einbindung der Düngebehörde, zu prüfen, um die Havarie abzuwenden. In begründeten Ausnahmefällen kann eine Maßnahme zur Abwehr einer Havarie die Gülleausbringung – auch auf Frost – sein. Eine solche Ausbringung im Fall einer gegenwärtigen Gefahr ist der zuständigen unteren Wasserbehörde unverzüglich anzuzeigen.

 

Zwei Wochen längere Sperrfrist für org. Dünger in „gelben“ Gebieten

Aufgrund der im Mai 2021 in Kraft getretenen niedersächsischen Landesdüngeverordnung sind weitere Düngungseinschränkungen in den nitratbelasteten („roten“) und eutrophierten („gelben“), Gebieten festgelegt. Um Oberflächengewässer vor Phosphat-Einträgen zu schützen gibt es daher in den sog. eutrophierten, gelb gekennzeichneten Gebieten ein Ausbringungsverbot für phosphathaltige Düngemittel bis zum 15. Februar. Da organische Dünger wie Gülle, Mist, Gärrest etc. immer Phosphat enthalten dürfen diese in diesen Kulissen erst ab dem 16. Februar ausgebracht werden. In der Zeit vom 01.02. bis zum 15.02. wäre allenfalls eine mineralische reine N-Düngung zulässig. Die jeweilige Kulisse kann im Lea- bzw. Schlag-Infoportal eingesehen werden.

Weitere Informationen geben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Düngebehörde an den örtlichen Dienststellen der Landwirtschaftskammer.