Düngebehörde
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Rote Gebiete - Ausweisung verstehen

Mit der Umsetzung der AVV GeA wird die Thematik der "roten Gebiete" in der Landwirtschaft diskutiert. Uns, als Zentrale Ansprechstelle Landesdüngeverordnung (ZALD), erreichen immer wieder Anfragen zum Vorgehen der Gebietsausweisung der roten Gebiete. Wir möchten Ihnen in diesem Artikel den Ausweisungsvorgang umfassend erläutern.

In Niedersachsen sind 24,5 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche als nitratbelastet ausgewiesen (rotes Gebiet). Hier gelten besondere Regelungen und Maßnahmen, die durch die Bewirtschafter einzuhalten sind.

Rote Gebiete im LEA Portal
Rote und gelbe Gebiete sowie Messstellen im LEA Portal (Stand November 2021)Lea Ball

Ob Ihre Fläche von der Ausweisung betroffen ist, können Sie im LEA Portal, im SchlagInfo Portal oder im NIBIS Kartenserver einsehen. Unser Artikel „Rote und gelbe Gebiete in Niedersachsen – Welches Portal liefert welche Information?“ gibt Auskunft darüber, welche Informationen Sie im LEA Portal und im NIBIS Kartenserver abrufen können.

Doch wahrscheinlich stellen Sie sich auch die Frage, warum die eigene Fläche als rotes Gebiet eingestuft ist? 

Der Auftrag zum Erlass einer bundesweit gültigen Vorschrift zur Ausweisung der mit Nitrat belasteten Gebiete ist in der Düngeverordnung 2020 (§13a Absatz 1 Satz 2) formuliert. 
Die AVV GeA, die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebieten, regelt das Ausweisungsverfahren von mit Nitrat belasteten, roten Gebieten, sowie von eutrophierten, gelben Gebieten. Die Regelungen gelten bundesweit und wurden am 20.11.2020 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht.


Bis zur Bewertung einer Fläche als „mit Nitrat belastet“ werden drei Schritte nach Vorgabe der AVV GeA durchlaufen:

Schritt 1)
Zunächst erfolgt eine Ermittlung der zu betrachtenden Grundwasserkörper.

Das Ausweisungsmessnetz, das sind mindestens alle landwirtschaftlich beeinflussten Messstellen, die für eine Beurteilung von Grundwasserkörpern herangezogen werden, bildet hierfür die Grundlage. Zur Ermittlung der belasteten Grundwasserkörper findet das Wasserrahmenrichtlinienmessnetz Verwendung. Das Messnetz enthält auch Grundwassermessstellen zur Berichterstattung gegenüber der Europäischen Umweltagentur (EUA-Messnetz), sowie die Messstellen zur Berichterstattung nach Nitratrichtlinie (Teilmessnetz Landwirtschaft des EUA-Messnetzes).

Die Ausweisung der roten Gebiete basiert auf denjenigen Messstellen in Grundwasserkörpern, die aufgrund von Nitratbelastung im „schlechten chemischen Zustand“ nach Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) eingestuft wurden. Nach Vorgabe der AVV GeA, sind für die derzeitige Ausweisung auch diejenigen Messstellen mit Schwellenwertüberschreitung (> 50 mg Nitrat/l) oder > 37,5 mg Nitrat/l mit signifikant steigendem Trend zu berücksichtigen, die in Grundwasserkörpern im „guten chemischen Zustand“ nach WRRL liegen.

Schritt 2)
In Schritt 2 wird eine immissionsbezogene Binnendifferenzierung vorgenommen. Das bedeutet, dass Gebiete in Grundwasserkörpern, in denen weder eine Überschreitung des Schwellenwertes von 50 mg/l Nitrat noch ein steigender Trend oberhalb von 37,5 mg/l vorlag, aus der Kulisse herausgenommen werden (§ 4 Abs. 2 AVV GeA).

Diese immissionsbasierte Abgrenzung erfolgt für Gebiete in Grundwasserkörpern, die nach hydrogeologischen und hydraulischen Kriterien abgrenzbar sind (gemäß § 6 Abs. 1 Satz 3 Nr. 2 AVV GeA). In Niedersachsen sind dies für die Grundwasserkörper „im schlechten Zustand“ nach WRRL 2021 die Typflächen/Teilräume nach dem WRRL-Bewertungsverfahren. Für die Grundwasserkörper im „guten Zustand“ nach WRRL 2021 wurde anhand eines Regionalisierungsverfahrens unter Berücksichtigung der Ergebnisse aller Messstellen eines Grundwasserkörpers, den belasteten Messstellen ein „rotes Gebiet“ zugeordnet.

Dieses Vorgehen ist vergleichbar mit der Vorgehensweise zur Binnendifferenzierung in 2019. In Grundwasserkörpern im „guten chemischen Zustand“ nach WRRL wurde für die Binnendifferenzierung ein Verfahren zur Regionalisierung angewendet.

Schritt 3)
Im dritten Schritt findet die Ermittlung des Emissionsrisikos statt. Hier erfolgt in den abgegrenzten belasteten Gebieten die Ermittlung des landwirtschaftlichen Emissionsrisikos.

Ein hohes Emissionsrisiko liegt dann vor, wenn eine potentielle Nitratkonzentration im Sickerwasser > 50 mg Nitrat/l vorliegt. Diese wird rechnerisch ermittelt und beinhaltet Faktoren, die beim Stickstoffumsatz im Boden eine wichtige Rolle spielen. Zu diesen Faktoren zählen die Deposition, die Denitrifikation, die Sickerwassermenge und das Stickstoff-Flächenbilanzsaldo. Auch diese Faktoren sind wiederum abhängig von anderen zugrundliegenden Daten, wie beispielsweise der Bodennutzung (Acker- oder Grünlandnutzung) und der Bodenart.

Wie die Berechnungen vorgenommen und welche Daten zur Berechnung verwendet wurden, wird durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in der „Methodenbeschreibung zur Ermittlung von landwirtschaftlichen Flächen mit hohem Emissionsrisiko in Niedersachsen“ näher beschrieben (Neuausweisung Emissionsrisiko März 2021: Phase 0“, s. Anhang dieses Artikels). Das Vorgehen zur Ermittlung von Flächen mit hohem Emissionsrisiko erfolgt in Niedersachsen gemäß den Vorgaben aus §§ 7-9 AVV GeA.
Die durch diese Schritte ermittelten Flächen werden als mit Nitrat belastet und somit rotes Gebiet im Sinne des § 13a Absatz 1 Satz 1 Nr. 1-3 DüV ausgewiesen (§ 10 AVV GeA).


Weitere Schritte der Gebietsausweisung sind im "Konzept zur schrittweisen Fortschreibung der Landesdüngeverordnung" des Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz aufgeführt.

Unabhängig von der schrittweisen Fortschreibung der Landesdüngeverordnung sieht die AVV GeA eine Überprüfung und damit einhergehende Anpassung der ausgewiesenen Gebiete mindestens alle vier Jahre vor (gemäß AVV GeA §17 Absatz 1).

Wir hoffen, Ihnen etwas mehr Klarheit im Vorgang der Ausweisung verschafft zu haben.

Sollten Sie noch Fragen zum Thema Ausweisung und Ausweisungsvorgang haben, melden Sie sich gern über unsere E-Mail-Adresse zald@lwk-niedersachsen.de oder über die Hotline 0441 - 801 444. 

Kontakte

ZALD

 0441 801-444

  zald~lwk-niedersachsen.de


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